Neue Lernkultur und Zukunftsfähigkeit in ein veränderten, dynamischen Welt

Ein Beitrag von Janett Kloß, Diplom-Pädagogin (Berlin) und ehrenamtliche Mitarbeiterin

Meine Erfahrungen als ehrenamtliche Diplompädagogin im PB-380 der Medienfaktur

Das Professionalisierungsmodul PB-380 an der Universität Oldenburg über die Medienfaktur mit dem Titel ‚Digitaler Unterricht’ ist im Wintersemester 20/21 neue Wege gegangen. Es hat nicht nur spontan das Team um zwei Köpfe erweitert, sondern damit einhergehend Lehramt Studierende zusammen mit berufstätigen Teams, die aus Schulleitungen sowie Lehrkräften bestanden, an Bord geholt.

In der Vergangenheit habe ich weltweit Einblicke sowohl aus professioneller als auch persönlicher Sicht in unterschiedliche Curricula haben können, die meinen Winkel immens erweitert haben. Insofern fühlte ich mich durch dieses neue, mutige und innovative Seminar sehr angesprochen und war gespannt darauf, was es alles als „Best Practices“ vereinen könne, um in der globalisierten Welt den Lernenden ab heute eine Zukunft zu bieten, die andere Länder schon längst im Programm haben. Dabei ging es um das Aufgreifen, Bearbeiten und Reflektieren der vielfältigen Ebenen, die digitales Lehren und Lernen hervorbringt. Es ging unter anderem um das Kennenlernen und Erschaffen von Lernumgebungen und das Erkennen von den ganz eigenen Gesetzen denen hybrides Lehren und Lernen unterliegt: diese Erkenntnis hat sich am Ende bei allen Teilnehmern des Seminares bestätigt.

Meine Einstellung zu Beginn des Seminars war: „Für mich ist der Digitalunterricht dem Präsenzunterricht ebenbürtig und am „Puls der Zeit“. Digitalisierung betrachtete ich nicht als einen Feind und die Pandemie fordert ihren Einsatz. Dabei geht es um ein „wie“. Die Frage „ob“ wurde überrollt. Eine Kombination von beiden – wechselseitig – wäre ideal und würde auch den sozialen Bedürfnissen aller nachkommen.

Die Emergenz einer neuen Lernkultur und die Funktion einer wissenschaftlichen Metaebene

Es kam tatsächlich zu einem zweiten Lockdown und all die Diskussionen um die Möglichkeiten (abgesehen von den technischen – dies ist ein anderes Feld) zeigten mir auf, dass eine Veränderung nur stattfinden kann, wenn wir diese explizit mit „Neu“ bezeichnen, um sich vom Alten lösen und damit den Weg frei für das Neue machen zu können. Ich muss zugeben, dass ich mich zu Beginn gegen die Wortwahl „Neue Lernkultur“ gewehrt habe, aber die Realität hat mich eines Besseren belehrt. Das Neue waren zudem für alle Teilnehmenden die theoretischen Aspekte, die in ihrer Praktikabilität untersucht und umgesetzt werden sollten: aus Sicht der Studierenden als auch der Schulteams. Hierbei halfen unter anderem die Einblicke in das Constructive Alignment und den ABC-Workshop die Ansätze des Lehrens neu zu überdenken. Das es sich dabei um einen Prozess handelt, der immer mal einen anderen Weg einschlagen kann, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren, ist selbstredend. Auch das haben wir alle während des Seminars erleben können, ohne dabei den Roten Faden zu verlieren.

Die Bedeutung eines guten Onboardings und prozessbegleitender Betreuung

Zwei Besonderheiten erscheinen wir noch erwähnenswert: zum Einsatz kam ein LMS mit einer gekoppelten Team-Kommunikationssoftware die auf einem sehr hohen Entwicklungsgrad liegen und von denen ich dachte, dass sie von den Studierenden als digital natives problemlos adaptiert werden könnten: dem war aber nicht so. Insofern muss der Umgang mit jeweiligen Systemen Bestandteil der Ausbildung bleiben (und sich natürlich immer wiederholen, denn das technologische Heute ist schon von Gestern). Der gemeinsame Lernprozess trug die Studierenden am Ende so weit, dass sie sich sogar auf ein neues, zukunftweisendes Beurteilungsverfahren eingelassen hatten (die Publikation eines E-Portfolios als öffentliches Blog, Anmerkung d. Seminarleiterin). Ein weiterer Punkt war die Zusammenarbeit mit den Schulteams, die die 14-wöchige Begleitung sehr geschätzt haben, da sich in dieser Zeit sehr viel veränderte und die kompetente Lerngemeinschaft einiges aufgreifen konnte.

Neue Schlüsselkompetenzen, Coaching, Mentoring und Internationalisierung

Wenn dieses Jahr etwas bewiesen hat, dann, dass die Welt unberechenbar ist. Wenn wir sicherstellen wollen, dass die heutigen Lernenden und zukünftige Generationen erfolgreich sein sollen, dann müssen sie von den Institutionen darauf vorbereitet werden, in eine dynamische und globale Welt eintreten zu können, die vielfältige und anpassungsfähige Fähigkeiten erfordert, um die dringendsten Herausforderungen der Gesellschaft gemeinsam respektvoll zu lösen. In einer Welt, in der bestehende Berufe automatisiert werden können müssen reines akademisches Wissen und pure Prüfungsergebnisse abgelöst werden von Soft und Hard Skills wie kreatives Denken, Interaktion und Teamwork, Durchhaltevermögen, problemlösende konstruktive Ansätze, analytisches Denken bei konzeptionellem Verständnis, digitales Lernen (und Fähigkeiten) sowie agiles Arbeiten in Eigeninitiative und -verantwortung gepaart mit Empathie, Neugier, Entwicklungsbereitschaft und Freude am lebenslangen Lernen. Dabei ist ein “out of the box” Denken unerlässlich und die Einbeziehung, Anreicherung und der Austausch weltweiter Erfahrungen eine Bereicherung.

In dieser Hinsicht sollte m.E. auch noch weiter professionalisiert werden wobei die Lehrenden als Lernbegleiter, Coaches und Mentoren zu sehen sind, um den Lernenden eine adäquate aussichtsreiche Zukunft zu ebnen in der ein respektvoller Umgang miteinander unerlässlich erscheint. Einen wichtigen Grundstein leistet dazu PB-380 „Digitaler Unterricht“, das bundesweit umgesetzt werden sollte und das in der Lage ist, sich anzupassen ohne an Qualität zu verlieren.

Janett Kloß

Diplom-Pädagogin, Regionalentwicklung, Stationen in Mexico, Niederlande, Malaysia, Portugal und Südafrika u.a. als Lehrkraft in ansässigen Schulen in der jeweiligen Landessprache, Fortbildungen DaF, IB Language A and B, Online und Hybrider Unterricht, Förderunterricht A1-C2 GER, TestDaF und MSA, eBBR

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