Hybrides Lern Design im WiSe 21/22 – Eine Zwischenbilanz

Zum WiSe 21/22 trägt unser Professionalisierungsmodul PB-380 den erweiterten Namen „Hybrides Lern Design“ und heißt nicht mehr „Digitaler Unterricht“. Das Modul baut dabei auf den Erfahrungen der letzten Seminare auf und hat sich durch kontinuierliche kritische Selbstreflexion, die dem Modul als Methode unterliegt, weiterentwickelt. Ein Methodenkoffer inklusive Best Practices hatte sich etabliert. Dazu gehören beispielweise das Onboarding von Studierenden, Teambuilding Sessions und wöchentliches Feedback auf verschiedenen Ebenen. Aber natürlich auch die Auseinandersetzung mit der Theorie: die sozialkonstruktivistische Definition von Lernzielen und Lernaktivitäten, basierend auf wissenschaftlichen Modellen wie etwa dem Constructive Alignment, dem Conversational Framework, des ABC-Workshops, gefolgt von Methoden zur Binnendifferenzierung inklusive der Entwicklung von Lernpfaden oder dem motivationalen Design.

Im Moment befinden wir uns im ersten Drittel des Seminars (Woche 5) und erfreuten uns heute (21.11.21) einer außergewöhnlich gelungenen Feedbacksession. Freitags werden in unserem Seminar die Ergebnisse von Studierenden gewöhnlich auf vielfältige Weise präsentiert, wobei sie vor verschiedendste Herausforderungen gestellt wurden.

Die heutige Präsentation war jedoch etwas Besonderes, denn sie war als Pitch geplant: 60 Studierende in 12 Gruppen hatten jeweils vier Minuten Zeit, Verbesserungen der Lernziele ihres selbst ausgewählten Bildungsangebotes unter Einbeziehung der Bloomschen Taxonomie und einer möglichen sozial-konstruktivistischen Erweiterung zu präsentieren.

Beispiel für ein Vorher-Nachher Redesign

An den Inhalt „Lernziele“ hatten wir uns bereits in der Vorwoche herangetastet, beginnend mit der Zusammenfassung und Analyse authentischer, autobiographischer Lernerfahrungen und der darauffolgenden Auseinandersetzung mit Lerntheorien inklusive kritischen Hinterfragens innerhalb der Studierendenteams. Im nächsten Schritt fand die Bearbeitung in Gruppen von Bildungsangeboten der Universität, wie etwa Seminarveranstaltungen, statt, die in einem interaktiven online Whiteboard dokumentiert wurden: der Ist-Zustand versus Verbesserungen (Re-Design) unter Einbeziehung des zuvor erarbeiteten theoretischen Wissens.

Der heutige Pitch, gekrönt durch das Feedback eines Expertenteams (eine zweite Besonderheit), kam zustande, nachdem eine Studentin in Pronto (die in unserer LMS Canvas eingebettete Team-Kommunikationsplattform) die Ankündigung einer weiteren Veranstaltung zum ‚Tag der Lehre‘ der Uni Oldenburg in Stud.ip re-postete. Dies endete in der Bereitschaft des Kollegen Peter England als Experte an unserer Veranstaltung teilzunehmen. Auch der Studiendekan der Fakultät 1, Prof. Michael Feldhaus sagte als Ehrengast und geladener Experte zu. Das war Kooperation per excellence!

Die heutige Veranstaltung hatte vor allem eines gezeigt: die Partizipation von Studierenden in der qualitativen Entwicklung von Bildungsangeboten, das Beschreiten neuer Wege, ist möglich. Wir müssen nicht in den Begrenzungen der Bloomschen Taxonomie verharren. 

Die Bereitschaft zur Reflexion, der kritischen Prüfung der eigenen Annahmen, die Fähigkeiten, sich auszutauschen, abzusprechen und konstruktives Feedback geben zu können, sind wesentliche Schritte, um ‚out of the box‘-Denken zu fördern und Wege zu einer Neuen Lernkultur zu beschreiten.

Dabei ist es fördernd und notwendig, an den Lebenswelten der Lernenden (ob in der Schule, der Universität oder danach = lebenslang) anzusetzen und nützliche theoretische Grundlagen zu vermitteln, mit denen man sich auf vielfältige Weise auseinandersetzen muss, um Entscheidungskompetenz zu entwickeln und um Verantwortung übernehmen zu können. Dies lässt notwendigerweise Raum für Fehler zu, erfordert also die Entwicklung der Kompetenz der Fehlerkorrektur, im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung sozialer Systeme. Idealerweise hilft die Erstellung von Leitfäden zu entsprechenden Lern Design Entwürfen, die mit anderen geteilt, übernommen und weiterentwickelt werden können. Daran arbeiten wir.

So können wir unsere Studierenden und auch zukünftige Generationen auf den Eintritt in eine dynamische, hochkomplexe und globalisierte Welt erfolgreich vorbereiten und sie begleiten. Leadership und die Kompetenz der systemischen Gestaltung sollten wir nicht Eliteschulen und -universitäten überlassen, die schon lange neue Wege gehen. Die heutige Veranstaltung war in dieser Hinsicht ein Lichtblick.

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