CANVASCON Barcelona 2019 und Blended Learning (BL) Entwicklung an der Universität Oldenburg

Es gibt viel Neues zu berichten von der Elite internationaler digitaler Bildungsentwickler sowie unseren ersten Seminare in einer State-of-the-Art BL-Lernumgebung.

CANVASCON BARCELONA 2019

Einige Impressionen sind im CANVASCON 2019 BARCELONA REPORT  als PDF zusammengefasst. Der Autor David Price brachte als Keynote Speaker mit seinem Motto ‘Any educator that can be replaced by a YouTube video should be‘ den digitalen Wandel auf den Punkt.

Persönlich lasse ich mich natürlich gern durch ein Youtube Video ersetzten wenn ich in der gleichen Zeit, die ich für einen Vortrag brauche, Studierende besser beraten kann. Die Aufwertung des Präsenzunterrichts durch Blended Learning ist schließlich eines unserer großen Themen. Für einen wissenschaftlich und pädagogisch fundierten Ansatz zum Thema digitaler Bildungs im Wandel empfehle ich den Keynote Vortrag ‘The Future of Education in the Digital World‘ von Diana Laurillard (UCL) an der Universität Kopenhagen. In Kürze die zentralen Einsichten von der CanvasCon 2019:

Die digitale Revolution wird maßgeblich von einer neuen und sehr beeindruckenden globalen Gemeinschaft initiiert. Es geht nicht nur um Technik, sondern um das Zusammenspiel von Technik mit einer Bildungs-Entwicklergemeinschaft, die in der schulischen bzw. universitären Praxis begründet ist und bewusst neue pädagogische (!) Strategien entwickelt. CANVAS greift weltweit auf etwa 470.000 Lehrende und Admins zurück, die wiederum ca. 33 Millionen Lernende bedienen. Die Entwicklung wird von vernetzten Communities vorangetrieben und weniger von Open Source Entwicklern, die oft nur indirekt mit der alltäglichen Praxis der Lehre verbunden sind. Hier lässt sich vorzüglich streiten, ob eine kommerzielle Entwicklung wie bei Canvas am Ende zielführender ist als die Programmierung von wenig benutzerfreundlichen und rudimentären LMS in Eigenregie.

Benutzerfreundlichkeit ist jedoch weit mehr als nur Kosmetik, denn durch die Anwendung von Universal Design Prinzipien in der Gestaltung der Bedienungsoberfläche (GUI) unterstützt ein gutes LMS Inklusion und einen weiteren sozialen Zugang. Für DozentInnen bedeutet ein besseres Design die Möglichkeit des unmittelbaren und schnellen Zugriffs für die Verwaltung von Kursen und Programmen.

Das Dashboard: Übersichtlich beginnt der Tag. Man sieht sofort die Links zu Diskussionen, Dateien, Aufgaben und Ankündigungen (oben). Es gibt unmittelbaren Zugriff auf alle Seminare und Veranstaltungen (unten)

Während in Deutschland sich die Diskussion um den Einsatz digitaler Medien im Unterricht dreht, teilweise auch die digitale Schulentwicklung, sind andere Nationen in der sozialen Skalierung wesentlich weiter. Kjetil Idas von der Akademiet Heltberg Group aus Norwegen präsentierte beispielsweise die Vernetzung von über 30 Schulen via Data Analytics. Hierbei werden die Daten aus dem Canvas Data Pool in einen externen SQL Server übertragen und via MS BI (Microsoft Business Intelligence ) in Dashboards visualisiert. So können regionale Schulentwicklung (Ressourcenplanung und Entwicklung, Qualitätsmanagement und faire Arbeitsauslastung) unterstützt werden. Damit hat die digitale Vernetzung den Sprung in die regionale Schulentwicklung geschafft. Essentiell ist die Herangehensweise: erst kommt die Hypothese, dann der Einsatz von Analytics Tools. Es muss öffentliche und ethische Gründe für den Einsatz datenbasierter Service-Systeme geben.

Interessant für uns ist die (ab nun) feste Integration von e-Portfolios als Prüfungsleistung in Canvas, d.h. Studierende können ihre Arbeiten nicht nur via URL einreichen, sondern könne ihre Medien als zusammenhängende und komplexe e-Portfolios präsentieren. Gemessen an ihrer weiten Verbreitung haben sich e-Portfolios als eine zukunftsweisende Prüfungsform etabliert.

Wir profitieren ebenfalls von den weiterentwickelten Learning Analytics im LMS zur Unterstützung von Studierenden. Faszinierend ist in diesem Zusammenhang die statistische Korrelation von digitalen Ressourcen mit entsprechenden Lernprozess-Interaktionen von Studierenden. Es ist nun möglich die Effektivität digitaler Ressourcen präzise zu beurteilen.

Zusammenfassend stellt sich für uns die Frage, welche systemische Vorteile wir in Canvas erkennen, die in Stud.IP nicht abgebildet sind. Unter diesen Vorteilen zählen:

  • Benutzerfreundliche Bedienungsoberfläche (GUI), die nach Universal Design Prinzipien gestaltet ist und damit soziale Inklusion und schnelles, effektives Arbeiten unterstützt
  • Mobile Apps für Lehrende und Lernende, welche die digitale Lernumgebung mit dem Handy verbindet
  • Integrierte und umfangreiche Learning Analytics, die uns helfen Studierende persönlich zu unterstützen, die Effektivität von Ressourcen empirisch zu überprüfen, Kompetenzerwerb sichtbar zu machen und einen Überblick über kollektive Lernprozesse zu gewinnen
  • Die einfache und flüssige Gestaltung von Lerneinheiten durch DozentInnen und SeminarleiterInnen
  • Die Möglichkeit der Peer Review von Lerneinheiten durch ‘Commons‘. Ganze Seminare wie auch einzelne OER können online unter CC-Lizenzen geteilt, modifiziert und besprochen werden
  • Offene Standards, d.h. es gibt problemlosen Austausch zu anderen LMS wie Moodle oder Blackboard
  • Speed Grader: Die Integration von Grading Rubrics (Evaluierungs-Rastern) mit der Online Korrektur von Prüfungsleistungen. Dieses Tool ermöglicht Lehrenden die schnellere und qualitativ höherwertige Evaluierung von Arbeiten. Speziell bei der Korrektur von schriftlichen Arbeiten ist dies eine enorme Arbeitserleichterung.
  • Die Integration von Portfolium. Die Erstellung von e-Portfolios ist nun im LMS standardmässig integriert
  • Videoaufnahmen ohne externe Apps oder YouTube. Lernräume sind geschützte Räume. Das interne Video-Tool (Big Blue Button) erlaubt es frei und spontan innerhalb unserer Lernumgebung zu kommunizieren
  • Ergänzungen wie Canvas Studio oder Canvas Practice sind für zukünftige Professionalisierung-Programme in der Lehrerausbildung von Interesse. Viele Universitäten benutzen solche und andere Apps um ihre Bildungsangebote gezielter zu unterstützen
  • Die Gestaltung adaptiver Lernpfade: Es gibt die Möglichkeit der Binnendifferenzierung und der adaptiven Unterstützung von Studierenden basierend auf ihren persönlichen Lernprozessen

BL Entwicklung an der Universität Oldenburg

Derzeit wird Canvas in zwei Seminaren im pb006 getestet (‘Einführung in die Medienbildung‘ 10.11.621 und ‘An Introduction to Digital Education‘ 1011.622). Zum ersten Mal verwenden Lehramt-Studierende beispielsweise online Diskussionsforen, online Gruppenmanagement oder Peer Review als Möglichkeiten die Qualität in der Lehre deutlich zu verbessern. Sharing Sessions und Berichte aus der Praxis sind in Vorbereitung. Die Erfahrungen der ersten vier Wochen sind vielversprechend und die Annahme einer flüssigen digitalen Lernumgebung durch Studierende war durchweg positiv. Das Beispiel unten: Die Umfrage ermittelte aus der Sicht von Studierenden wie die zusätzliche Bereitstellung eines online Forums die Vertiefung in den Lehrstoff verstärkt hatte.

Wir planen spannende BL- Elemente, wie beispielsweise Podcasts, in denen DozentInnen und Studierende ihre Lernfortschritte am Ende einer Lerneinheit reflektieren und diskutieren. Als Innovation Lab werden alle diese Entwicklungen in der Medienfaktur in Kooperation mit Studierenden entwickelt. Erste reflektierende Podcast-Diskussionen sind für Ende November 2019 geplant.

Zu erwähnen ist, last but not least, unsere Gruppe internationaler Bildungsexpertinnen, die uns unabhängig zur Gestaltung neuer BL- Programme berät. Dies sind Dr. Sharon Flynn, Project Manager for Enhancing Digital Teaching & Learning der Irish Universities Association und Sarah Chesney, Implementation Specialist für die Software Firma PepplePad sowie e-Tutoring Ausbilderin an der Universität Oxford.  Der ABC (Area Blended Connected) Workshop, der von Diane Laurillard am University College London (UCL) entwickelt wurde, spielt für uns eine zentrale Rolle (siehe Einleitung). Über die Entwicklung von solchen Workshops für die pädagogisch-zielgerichtete Entwicklung von BL-Modellen an der Universität Oldenburg werden wir zeitnah berichten.

Autorin: Joana Stella Kompa, 04.11.2019

Mobile App mit allen wichtigen Informationen zu den Seminaren. Es gibt Versionen für Lehrende und Lernende (iOS und Android). Studierende können beispielsweise über ‘Personen’ zu ihren Projektgruppen gelangen.
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