Mission & Vision Reloaded (2021)

Social Making, Bildung und die Kultur der Digitalität

Bildungsgestalter*innen sind zunehmend herausgefordert, da institutionalisierte Bildungsformate in ihren tradierten Gewissheiten, z.B. in Schule und Universität, aber auch der Fort- und Weiterbildung in Verwaltung und Wirtschaft, durch die tiefgreifende Mediatisierung der Gesellschaft und eine Kultur der Digitalität unter Druck geraten. Um dies zu unterstreichen: Es geht dabei nicht darum sich und andere „fit“ für die Digitalisierung zu machen, wie dies so prominent, in einer – häufig verkürzten – Medienkompetenzdebatte im letzten Jahrzehnt ihren Ausdruck fand. Es geht um einen (medien)pädagogischen Perspektivenwechsel vom kompetenten Einsatz digitaler Medien hin zu sozialen Praktiken des Digitalen, welche eine spezifische Lernkultur konfigurieren. Wird Bildung (in der digitalen Welt) als die paradigmatische Veränderung dieses Selbst- Welt- Verhältnisses begriffen, bedeutet dies über die Kompetenzentwicklung von Einzelnen hinaus die Emergenz einer neuen Form der Sozialität zu bilden. Insoweit berührt Bildung immer und stets Fragen der Organisationsentwicklung und, damit verbunden, der Konflikt mit einer am Status-Quo orientierten Organisationskultur, die in der Regel eben nicht von Gemeinschaftlichkeit und Referenzialität geprägt ist, sondern sich vielmehr durch Abgrenzung, Konkurrenz und einer grundlegend defensiven Haltung definiert, die sich an der Aufrechterhaltung tradierter Privilegien ausrichtet. Aus unserer Sicht gilt es für die Gestaltung von Bildung daher vor allem den Fokus auf die Frage zu richten, wie durch eine bestimmte Ausgestaltung des sozialen Settings eine Einladung ausgesprochen werden kann, sich selbst mit und durch andere zu bilden (Daher unser Motto ‚Let’s co-create digital education‘).

Symbolbild: Der schiefe Turm von PISA, Bild: Marie Rouilly @ Unsplash

Die Vorstellung, hierfür eine einheitliche Lösung als Blaupause vorzuhalten scheint wenig zielführend, steht diese Idee dem Wesen der Bildung in ihrer Unbestimmtheit und Offenheit gegenüber und markiert darin Pädagogik eben nicht als Profession, dieser notwendigen Unbestimmtheit einen Ort eröffnen zu können. Dabei gilt es gerade die Notwendigkeit der Krise und Irritation als Ausgangspunkt von (möglichen) Bildungsprozessen ernst zu nehmen. Kontrolle abzugeben bedeutet dabei eben nicht alles dem Zufall zu überlassen. Vielmehr geht es darum einen Perspektivenwechsel auf und in der Unbestimmtheit zu eröffnen und damit den pädagogischen Blick auf die Aspekte der Ermöglichung solcher Bildungsprozesse zu lenken.


Darum muss sich die Ausgestaltung solcher Räume an Eckpfeilern der Empathie, Solidarität, Kooperation, Fairness, Kritik, des experimentellen Ausprobierens, Forschens, Making, Teilens, Scheiterns und Spaßhabens orientieren. Werden solche Konstruktionen ernst genommen, geraten diese zwangsläufig in Widerspruch zu den Vorstellungen einer kompetitiven und output-orientierten Bildungsidee und rütteln am Fundament einer pisa-resken bildungspolitischen Dominanzkultur. Die Idee einer planbaren digitalen Bildungsrevolution, welche lediglich die technischen Optionen für die digitale Manifestierung der meritokratischen Fantasievorstellung einer leistungsgerechten Chancengleichheit in den bestehenden Bildungsinstitutionen und Verhältnissen auslotet, muss scheitern. Vor diesem Hintergrund möchten die Medienfaktur den Fokus konkret auf die Frage lenken, wie solche sozialen Räume und Settings gestaltet werden können, in denen Kooperation-, Kritikfähigkeit sowie ein unkonventionelles, kreatives Denken evoziert und gefördert werden.

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass der Schlüssel hierfür in der verantworteten Gestaltung eines sozialen Settings liegt. Dies gilt für Seminare, Unterricht, Fort- und Weiterbildung bis hin zur Strategieentwicklung von Abteilungen und Unternehmen. New Learning und New Work sind in einer digitalisierten Gesellschaft 4.0 intrinsisch miteinander verbunden. Wir sind der Überzeugung, dass durch Ansätze des Design Thinking und der Co-Creation ein partizipativ-emanzipatorischer Kulturwandel durch Bildung eröffnet werden kann. Diesen Prozess bezeichnen wir als Social Making.

Symbolbild oben: Der schiefe Turm von PISA, Bild: Marie Rouilly @ Unsplash

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